Minister Rupprechter hat vor kurzem einen Masterplan für den Ländlichen Raum veröffentlicht. In diesem wichtigen Dokument werden zahlreiche Themenfelder aufgezeigt, in denen man ansetzen könnte, um diesen Gebietstyp weiter zu beleben.

 Bundesminister Andrä Rupprechter

Bundesminister Andrä Rupprechter | Foto: Alexander Haiden | CC Lizenz

Wissenschaftlich wurde dieses Vorhaben von Politik Prof. Filzmaier (sicherlich bekannt aus dem TV), sowie von Prof. Haber (Volkswirt Donau Uni Krems) begleitet. Ich möchte hier kurz über die Stärken und Schwächen dieses Papiers aus wirtschaftsgeographischer Sicht diskutieren.

Zunächst muss man feststellen, dass dieser Masterplan wohl eines der wichtigsten Papiere zur Thematik Ländlicher Raum ist, welches von Ministerebene in den letzten Jahren erstellt worden ist. Was im aktuellen Wahlkampf wenig Beachtung findet, nämlich der ländliche
Raum, wird in diesem Dokument mit all seiner Vielfältigkeit gut präsentiert. Die Themen sind facettenreich und zeigen auf, welch wichtige Funktion dieser Gebietstyp für die Gesamtentwicklung einer Volkswirtschaft leistet.

Da die Themen breit gefächert sind, fehlt es im Detail dann an der Tiefe. Wichtige Fragen wie z.B.:  Wann?  Wer?  Wie?  Was?  Warum?
Mit welchen Effekten ist zu rechnen? etc. bleiben im Masterplan leider großteils aus.

Zwei wesentliche Potentiale, die jedoch erheblichen neuen Einfluss auf die Entwicklung ländlicher Regionen haben, wurden nicht genannt. Diese könnten jedoch in einer nächsten Phase mit eingearbeitet werden.

Zunächst kann ein neues Phänomen in ländlichen Regionen beobachtet werden. Dabei handelt es sich um die sogenannte Wohlstandszuwanderung oder (Amenity Migration). Immer mehr Zuwanderer, meist aus EU-Staaten (Holland, England, Italien aber auch aus Russland) entdecken den Ländlichen Raum für sich. Sie kaufen sich oft aufgelassene Bauernhöfe oder Bauernhäuser. Viele von Ihnen sind in der Pension, es gibt aber auch junge Zuwanderer, die Firmen gründen oder weiterführen, Einheimische beschäftigen, Steuern zahlen, Infrastruktur aufrechterhalten und somit das Dorf oder eine Gemeinde wesentlich mit beleben. Hier bedarf es mehr Beachtung & Forschung von Seiten der Politik puttygen ssh , da vielseitige Effekte von diesen neuen „Highlandern“ vgl. Bender ausgehen können.

Das zweite wichtige Entwicklungspotential für den Ländlichen Raum, sind die neuen Möglichkeiten des grenzüberschreitenden Austausches. Viele peripher-ländliche Regionen, in Grenzlage, sind durch die EU in die Lage versetzt worden, ihre Möglichkeiten zu erweitern. In Anlehnung an die ÖROK haben 23 der 35 NUTS III Regionen Österreichs, eine direkte Grenze zu einem der Nachbarländer. Das ÖREK sieht die Lage Österreichs als Grenzland, sogar als wesentliches
Charakteristikum des Landes an. Mehr als dreiviertel der österreichischen Bevölkerung entfallen auf grenznahe Gebiete vgl. Hummelbrunner (2008). D.h., dass dieses Papier hier eine erhebliche Limitation aufweist. Man könnte sagen, dass ein wenig der Europagedanke in diesem Kontext fehlt. Dass ein solcher Austausch große Bedeutung haben kann, sehen wir im Bezirk Hermagor am Beispiel Kötschach-Mauthen. Ein großer Teil der dortigen Wertschöpfung (Kapital und Arbeit) wird aus dem grenzüberschreitenden Austausch mit Italien erwirtschaftet (Tendenz steigend). Die Gemeinde hat es über die Jahre hinweg gut gelernt, dieses Potential für sich zu nutzen. Ein solch wichtiges Themenfeld müsste aufgenommen, diskutiert und damit als weitere Option zur Entwicklung peripherer Regionen im Masterplan angeboten werden.

Es bleibt zu hoffen, dass diese gute Grundlage in Form des Masterplans von Minister Rupprechter weitere Diskussionen auslöst, und dass in einem nächsten Schritt eine regionsspezifische Umsetzung erfolgt. Vielleicht finden auch die gemachten Vorschläge des Forum Regios Reisach in diesem Prozess eine Berücksichtigung.

Masterplan Aufschwung für den Ländlicher Raum

Foto: BMLFUW

Den Masterplan für den ländlichen Raum  könnt Ihr hier herunterladen:

DOWNLOAD

 

 

Arbeiten zu meinen Forschungen in diesen Bereichen finden sich unter www.regionalforschung-hermagor.at

 

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Wirtschaftsgeograph Projektmitarbeiter Öster. Akademie der Wissenschaften Wien 2014-16, Mitlgied der Österr. Geographischen Gesellschaft,

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