ADEG (Arbeitsgemeinschaft der Einkaufsgenossenschaften), brachte heuer, 2017 einen Dorfleben Report heraus. Ziel der Studie war es, Einblicke in die „Lebenswelt“ österreichischer Dörfer zu geben. Als Dorf wird eine Gemeinde klassifiziert, welche unter 5000 Einwohner verzeichnet. Über 1000 Dorfbewohner wurden dazu befragt und die Daten werden im Rahmen dieser Studie präsentiert und diskutiert.

Immer wieder werden die statistischen Ergebnisse in Aussagen von Experten und Kaufleuten vom Autor der Studie integriert. Zentrale Themen sind das Leben im Dorf, die Dorfgemeinschaft, die Nahversorgung, Einblicke in die Arbeit und Wirtschaft, das Ehrenamt und die Vereine sowie Zukunftsperspektiven.

Vorteile der Untersuchung sind sicherlich die Ausarbeitung der lokalen Stärken des Ländlichen Raumes. Stärken, welche wesentlich mehr als bisher aktiviert werden müssten. Die Nähe zur Natur, die Ruhe, die Landluft sowie die Betonung der Gemeinschaft sind zentrale Motive für Landbewohner, vor Ort zu bleiben. Positiv ist auch, dass sich die Studie traut, kritische Bemerkungen ebenfalls zu nennen. Es fehlen im Ländlichen Raum Infrastruktur (schnelles Internet), qualifizierte Arbeitsplätze, Nahversorgung sowie adäquate Ausbildungsplätze für junge Menschen.

Prof. Gerlind Weber (S. 11f der Studie) sieht vor allem als Ursache einer weiteren Schwächung des Ländlichen Raumes eine liberale Politik. Sie schreibt:

„Die Gefahr, die sich seit dem Erstarken des wirtschaftlichen Liberalismus abzeichnet, ist nun, dass sich die bestehende Kluft zwischen strukturstarken und strukturschwachen Regionen und Gemeinden immer mehr vertieft. Mit anderen Worten https://putty-gen.com , dass es zu einer (weiteren) Polarisierung der Entwicklungspfade zwischen „armen“ und „reichen“ Landkommunen kommt“.

Hintergrund dieser Hypothese ist der Begriff der passiven Sanierung, quasi unrentabler Regionen. Als unrentable Regionen werden jene Gebiete bezeichnet, die sich rein betriebswirtschaftlich gesehen, nicht mehr selber tragen können und kumuliert auch nicht zum Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft beitragen. Im Fokus dabei stehen strukturschwache Regionen. Darunter sind wiederum Regionen zu verstehen, welche durch starke Abwanderung betroffen sind, oder keine zeitgemäßen Branchen und Technologien bieten. Diese Regionen sollen zu Gunsten starker Regionen, wie z.B. Städte und Metropolregionen, nicht mehr oder nur noch halbherzig gefördert werden.

Das EUREK (1999:23) (Europäisches Raumentwicklungskonzept) sieht genau eine solche Strategie vor. Dort kann entnommen werden:

„Die Zukunftsaussichten des ländlichen Umlandes beruhen auf wettbewerbsfähigen Städten“.

Man hofft bei einer solchen Strategie darauf, dass die positiven Effekte vom Zentrum in die Peripherie gelangen. Längst ist aber klar, dass die Effekte vom Zentrum in die Peripherie geringer sind als jene, von der Peripherie ins Zentrum. Das Zentrum saugt der Peripherie Potentialfaktoren (Arbeit, Kapital, Wissen, Infrastrukturinvestitionen etc.) ab, sodass ein negativer Nettoeffekte zu Ungunsten des Ländlichen Raumes entsteht.

Auch der Städtebund schlägt vor, die Städte noch stärker zu fördern als bisher. Dieser sagt in diesem Artikel:

„Wir wissen aus den EU-Strukturfonds, dass jeder Euro, der in einen zentralen Ort gesteckt wird, auch für das Umland mehr bringt, als wenn ich etwas auf die grüne Wiese stelle. Eine Stärkung der Zentren hilft der gesamten Region“.1

Genau eine solche Raumordnungspolitik unterstützt die Abwanderung und blockiert Rückwanderung in ländliche Gebiete. Eine solche Strategie vergisst, dass ein lebendiger Ländlicher Raum wichtige Ergänzungsfunktionen für die Zentren erfüllt wie z.B. die Wasserversorgung, die Lebensmittelproduktion, die Pflege der Kulturlandschaft, Lebensraumfunktion, Standortfunktion, Erholungsfunktion oder Klima- und Umweltschutzfunktionen.

Des weiteren kann der Zuzug in die Zentren nicht beliebig weiter gehen. Viele Städte entwickeln sich seit einiger Zeit nicht mehr nachhaltig. Die Mieten steigen, es kommt zu Ghettobildungen, Verkehrsstaus & Umweltsünden etc. Die Durchschnittskosten pro Einwohner steigen.

Ein zentrales Fazit der Studie könnte lauten: Zentrum und Peripherie sollten weniger als Gegensatz oder als Konkurrenten verstanden werden, sondern als sich in Anlehnung an die jeweiligen Stärken ergänzend. Es herrschen Interdependenzen zwischen der Entwicklung urbaner und peripherer Regionen. Erst durch die gemeinsame Betrachtung und Unterstützung von Zentrum und Peripherie ist eine gesamtwirtschaftliche, faire und nachhaltige Entwicklung innerhalb eines Landes möglich.

Download Report: ADEG Report

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Wirtschaftsgeograph Projektmitarbeiter Öster. Akademie der Wissenschaften Wien 2014-16, Mitlgied der Österr. Geographischen Gesellschaft,

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